von Manfred Ketels

Erstellt am 14.10.02 um 21:09:50
ID: 1034622590
Erfahrung mit „The wincher“?


Bei meinem IF-Boot sind für die Vorschot Andersen Schotwinschen classic (die mit dem Hebel unten) und Kammklemmen montiert. Als Einhandsegler habe ich mit der außerhalb der Reling laufenden Genua nach der Wende Schwierigkeiten beim Winschen, weil ich immer zwischendurch mit einer Hand die Pinne bedienen muß. Weil die Schot über die Reling laufen muß, dauert das Dichtnehmen beim Wenden einfach zu lange. Mit der Fock ist das nicht so ein Problem.
Kann man diese blauen Kunststoffaufsätze „The wincher“ benutzen? Welche Größe passt da? Rutscht das Ding denn nicht auf der Winsch durch, wenn so richtig Zug auf der Schot ist?
Wer hat Erfahrungen gemacht? Mit einer Selftailingwinsch könnte man dichtholen und kurshalten.

Übrigens, ich bin dieses Jahr einhand über Dänemark und den Götakanal nach Stockholm getourt. In Schweden gibt es ja eine Menge IF, aber alle hatten normale kleine normale Winschen (Hebelaufnahme oben) mit Klemmklampen oder Curryklemmen. Auch IF mit Reling sind eher selten.

Gruß
Manfred





von Matthias Roth

Erstellt am 23.10.02 um 00:05:32
ID: 1035324332
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Manfred,
um es vorwegzunehmen, ich habe keine Erfahrung mit "The wincher". Ich segel auch ganz überwiegend einhand und vermeide das Motoren (AB)wo immer es geht (und es geht mit diesem Boot ja öfter als man denkt!). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die richtige Pinnenarretierung der Schlüssel ist, um die Manöver sorglos einhand zu bewältigen. Die Arretierung habe ich anfertigen lassen, weil ich im Handel keine brauchbare gefunden habe: klappbar, 4 Befestigungsbohrungen, 35 cm breit, 7mm Lochabstand, Niro 4mm.
Beim Wenden lufe ich leicht an, gebe die Pinne dann los und lasse die Genua gerade solange "back stehen", bis das Groß eindeutig den Bug gewechselt und eben beginnt einen Bauch zu bilden - die Pinne ist jetzt meist bereits arretiert. Dann wird die (leicht) back stehende Genua so gefiert oder losgeworfen, dass sie gerade eben ausserhalb der Reling und des Oberwants flattert. Die Genuaschot kann dann rasch beidhändig bei einem Törn um die Winsch dichtgeholt werden; bei dann stärkerem Widerstand 2. oder 3. Törn um die Winsch, Pinne wieder los und Kurs aufnehmen, Pinne wieder fest und evtl. Feineinstellung per Hand oder mit Winschkurbel bei (sehr) viel Wind. Dann kannst Du Dich unter die Sprayhood setzen und das Schiff segelt dank Pinnenarretierung zum nächsten Wendepunkt. Der Clou ist, die Genua nicht zu früh und nicht zu spät loszuwerfen, sonst klemmts am Rigg oder das Dichtholen wird zu mühsam - im zweiten Fall wäre dank der Arretierung genug Zeit, die Kurbel auch aus der Kajüte zu holen. Auf See ersetzt das Teil zudem bisher ausreichend meine elektrische Selbststeueranlage. Bei anderen Einhanderfahrungen oder Interesse an Einzelheiten der Arretierung bitte Info.

Grüße aus Rostock, Matthias




von Martin M.

Erstellt am 24.10.02 um 22:55:39
ID: 1035492939
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Manfred, hallo Matthias,

ich kann auch keine Auskunft zu dem Winschaufsatz "The Wincher" geben aber ich nutze die Gelegenheit, um auf meine Winschen aufmerksam zu machen. Ich segele in Berlin oft mit wechselnder Besatzung und es waren, als ich das IF kaufte, die sogenannten Knarrpoller mit Kammklemme montiert, Winschkurbel oben. Kurz gesagt, ich war es leid durch Überläufer und schlecht losgeworfene Schoten viele Mannöver in den Sand zu setzen. Ich schlich cirka 1 Jahr um die Winschen von Setamar herum und griff dann tief in meinen Geldbeutel, aber ich bereue es nicht einen Tag. Meine Vorschoter sind begeistert und die Wenden klappen immer. Auch Einhand sind diese technischen Wunderdinger sehr gut zu bedienen. Die Kurbel bleibt immer stecken. Ich habe ein Bild geschossen und ich ich denke ich brauch das nicht weiter zu erklären. Es gibt eine linke und eine rechte Winsch und - sie arbeiten seitenverkehrt, in die eine Richtung "nimmt" die Winsch und in die andere Richtung "gibt" sie mit einer Untersetzung von 1:2. Nachwinschen geht also nur mit einer speziellen Kurbel die einen Freilauf besitzt. Braucht man aber nicht. Einziger Nachteil ist, das sie besonders gepflegt werden muß. Einmal im Jahr fetten reicht einfach nicht aus, aber mit etwas Routine ist das auch keine Sache. Genaueres unter <http://www.setamar.de> oder wie sie auf meinem IF montiert ist.

Grüße aus Berlin Martin M.





von Manfred Ketels

Erstellt am 26.10.02 um 20:36:04
ID: 1035657364
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Matthias,
Deine Methode mit dem richtigen Zeitpunkt beim Wenden hört sich etwas diffizil an. Ich weiß nicht, ob das auch auf der Ostsee mit entsprechender Welle so gut geht.
Aber Deine Pinnenarretierung interessiert mich. Ich habe bei mir alle ehemaligen Arretierungen abgebaut, weil ich nicht zufrieden war. Ich kann mir Deine Konstruktion nicht so genau vorstellen. Ich wäre ja auch froh, nicht immer gleich den Autopilot einhängen zu müssen.
Ich glaube hier im Bordbuch kann man keine Skizzen oder Fotos stellen. Falls es möglich ist schick mir doch eine mail. Da mir schon passiert ist, daß meine email Adresse von einem Suchprogramm auspioniert (vielleicht auch weitergegeben) wurde und ich massenweise Spam bekommen hatte, hier meine „Adresse“ : MKetels“a“t-online. Wofür das “a“ steht ist wohl klar, und das de soll auch nicht fehlen. Alles klar? Damit kann ein Programm, welches email-Adressen sucht hoffentlich nichts anfangen.

Gruß aus Moers
Manfred





von Manfred Ketels

Erstellt am 26.10.02 um 20:36:59
ID: 1035657419
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Martin,
auch ich hatte schon an die Setamar Winschen gedacht, war aber nicht so mutig sie zu kaufen. Schön, daß Du so zufrieden damit bist, war doch finanziell riskant.
Ich würde gerne genaueres wissen. Erstmal ist es gut, daß die Kurbel drauf bleiben kann. Ich kann mir auch vorstellen, wie man die Schot loswirft, also aus der Führung herausheben. Kann man die Schot aber vor dem Loswerfen dann noch etwas festhalten oder ist die Kraft bei ca. 1/4Umschlingung zu groß?
Wie geht das schnelle Dichtnehmen nach der Wende, jede Menge Meter Hand über Hand bei killender Genua? Alles ohne „Winschbremse“ oder legst Du die Schot schon vorher in die Winsch und ziehst komplett über die Führung? Wenn ja, ist da nicht viel Reibung im Spiel? Ich denke hier ausschließlich als Einhandsegler, also Bedienung von einer achterlichen Position.
Ich werde mir das Ding spätestens auf der boot in Düsseldorf ansehen. Nun habe ich mein IF „MUCK“ bei Stockholm zurückgelassen, um nächstes Jahr Finnland vor dem Bug zu haben. Ich muß deshalb auf der Bahnreise etwas sparsam mit Gepäck sein, deshalb hatte ich an „the wincher“ gedacht. Etwas werde ich per Post schicken. In Schweden zu kaufen könnte sehr teuer werden.

Gruß aus Moers
Manfred






von Matthias Roth

Erstellt am 27.10.02 um 00:09:36
ID: 1035670176
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Manfred,
vielen Dank für Deine Emailadresse; da ich weder Scanner noch Digitalkamera besitze, kann ich z.Zt. nichts übermitteln. Falls Du den AWN-Katalog 02 hast, mußt Du Dir die Arretierung vom Prinzip wie die auf Seite 203 (Nr.20 u.21) vorstellen, nur massiver und größer; die Nirostärke beträgt 3 und nicht 4 mm (habe nochmal nachgemessen). Ich werde mir bei Gelegenheit eine Digitalkamera leihen und sehen, wie ich Deine Adresse entschlüssel; kann aber dauern.
Wegen der Genuawende: ist der obere Relingdraht am Bugkorb oben befestigt? Wenn ja, sollte er auf die mittlere Bugkorböse, so daß der obere Draht von der Vorschiffstütze zum Bugkorb abfällt. Dann kann die Genua leichter darübersteigen. Bei der Wende kann man einfach solange mit dem Dichtholen der Schot warten, bis die Genua über die Reling gestiegen ist und frei flattert.

Ich fahre auch diese schwarzen Knarrpoller. Sie sind für eine Neuanschaffung nicht zu empfehlen, weil es sehr leicht Überläufer gibt. An den Setamar-Winschen stört mich der Wartungsaufwand und die Störungsanfälligkeit, die Martin andeutet. Ich wäre an Salzwassererfahrungen interessiert. Sie werden ja offenbar auch auf der Hochsee gefahren.

Mit der Bitte um etwas Geduld für die Pinnenarretierung Grüße aus Rostock, Matthias




von Manfred Ketels

Erstellt am 28.10.02 um 13:30:15
ID: 1035808215
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Mathias,
ist ja nett, daß Du Dir so viel Mühe machen willst. Ist aber wohl nicht notwendig, wenn das Ding so ähnlich wie der VA-„Hahnenkamm“ ist, den ich auch kenne. Den Niemeyer Katalog habe ich leider nicht mehr hier, sondern der ist auch an Bord geblieben. Den „Hahnenkamm“ hatte ich früher einmal, war aber nicht zufrieden. Oder ist Deine Version wesentlich anders?

Mein oberer Relingsdraht ist oben am Bugkorb befestigt. Das ist nicht so schlimm, weil ich eine Rollreff-Genua fahre, die deutlich höher geschnitten ist als üblich. Den Flächenverlust nehme ich wegen der besseren Sicht gern in Kauf. Schwierig ist manchmal eigentlich nur das Schothorn mit den Schotknoten über die Reling zu zerren, vor allem bei Schwachwind. Ich fahre deshalb nur noch eine durchgehende Schot, die nur als Schlinge durch das Schothorn geführt ist, dann ist der Knubbel nicht ganz so dick. Aber auch das verhakt sich bei Schwachwind gerne vorne am Mast, weil ich dort den Spibaum senkrecht permanent angeschlagen fahre. Allein das Vorsegel auszubaumen ist dann aber wesentlich einfacher.

Gruß aus Moers
Manfred





von Martin Meyer

Erstellt am 29.10.02 um 08:05:31
ID: 1035875131
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Manfred,

ja zwei interessante Fragen die gerne beantworten möchte.
Wenn du dich auf die Wende vorbereitest und dich nach Lee setzt, dann greife ich, bevor ich Ruder lege, zur Schot und nehme sie aus der Führungsrolle. Die Schot hält mit einer 1/4 Umschlingung ohne zu rutschen. Je nach Wind rutscht die Schot bei ca. 1/8 Umschlingung aus dem Wellenprofil, dann aber ohne Vorwarnung. Da bekommst du aber schnell ein Gefühl für.

Auf der neuen Lee-Seite ist die Schot schon in dem Wellenprofil. Die Setamar Winsch hat einen Freilauf eingebaut und du kannst Hand über Hand sicher und leicht dichtholen. Auch hier reicht die 1/4 Umschlingung um die Schot ausreichend zu halten. Wenn die Kraft nicht mehr reicht legst du die Schot in die Führungsrolle und winscht den Rest. Je nach Timing mehr oder weniger.

Ich bin sicher das auch für Einhandsegler mit dieser Winsch ein ganzes Stück Sicherheit an Bord kommt.

Salzwassererfahrung habe ich nicht mit dieser Winsch und eine Störanfälligkeit in Form eines komplett Ausfalls hatte ich auch nie. Bei dem Freilauf und dicht holen gibt es sowieso nie Probleme. Eine Wartung kündigt sich eher beim fieren an, und dann in einer Form, dass das fieren über die Kurbel etwas schwergängiger wird. Und damit kann ich leben.

In jedem Fall sollte man sich für die 1:2 Untersetzung für das IF entscheiden. Denn bei viel Wind kann bei 15qm Segel ein ganz schöner Druck entstehen.

Viel Spaß auf der Messe
Grüße aus Berlin, Martin





von Matthias Roth

Erstellt am 31.10.02 um 17:41:17
ID: 1036082477
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Manfred,

es handelt sich um den "Hahnenkamm", den ich doch etwas in "Schutz" nehmen möchte. Ich hatte vorher eine kommerzielle Ausführung. Ich habe auch Erfahrungen mit der Arretierung einer quer laufenden Leine. Der jetzige Hahnenkamm ist auf das sensible Ruder durch den Arretierungsabstand und die Länge der Hahnenkammleiste angepaßt. Vorher hatte ich durch den zu großen Abstand der Einkerbungen immer das Problem, in kurzer Zeit die Pinnenstellung korrigieren zu müssen oder wenn es luvgieriger wurde, war die Leiste für den notwendigen Winkel zu kurz. So ist es jetzt wesentlich komfortabler; das Boot läuft, wohin es soll und ich habe Hände und Füße frei.
Ich denke, es ist weniger ein Problem des Hahnenkamms als der Modifizierung dieser Mimik an die Segeleigenschaften des IF-Bootes.

Falls Du mit den Setarmarwinschen im Gepäck nächstes Jahr zufällig über Rostock nach Schweden reisen solltest, würde ich mich über die Möglichkeit einer praktischen Demo sehr freuen!

Grüße aus Rostock
Matthias







von Manfred Ketels

Erstellt am 31.10.02 um 21:14:06
ID: 1036095246
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Matthias,
da Du so gute Erfahrungen mit Deiner Pinnenarretierung hast, möchte ich überlegen mir auch so eine anfertigen zu lassen. Anfangs hast Du etwas von 7mm Lochabstand geschrieben. Was für Löcher, und was kommt da hinein, ein Stift an der Pinne? Oder sind es doch Kerben V-förmig oder gerade? An der Pinne ist dann wohl ein Blech montiert. Kann man eine „unfreundliche“ Begegnung der Edelstahlteile mit der Pinne oder mit dem Süllrand immer vermeiden? Meine Pinne kann sich sogar von selbst ganz auf den Süllrand absenken, wenn die Schraube im Ruderkopf sich gelockert hat.
Ich habe übrigens in de.rec.sport.segeln auch die Frage nach the wincher gestellt. Die Erfahrungen sind positiv, aber es gibt leider bisher keine Erkenntnisse mit den Andersen classic Winschen.
Über Rostock werden ich wohl nicht reisen, ich denke über Fehmarn.

Grüße aus Moers
Manfred





von Matthias Roth

Erstellt am 03.11.02 um 14:26:05
ID: 1036329965
Re: Erfahrung mit „The wincher“?

Hallo Manfred,
war gestern auf der Hanse-Boot. The Wincher sind für ¤ 44,90 zu bekommen. Endlich auch Quelle für Easylock-I-Ersatzhebel gefunden (¤ 5,90). Weiterhin Petroleumheizung: H 45cm, Dm 33cm, 4,8kg, 2500 kcal/h, 5l-Tank, min. 17h Heizdauer, ¤ 75 - Erfahrungen damit, insbesondere evtl. Verrußung des Kajüthimmels, würden mich sehr interessieren.
Auch einen brauchbaren Pinnenkamm habe ich gesehen (Stärke 2mm, Kammlänge 290mm, Kerbenabstand ca. 7mm, herabklappbar an 2 Befestigungsbügeln - eine durchgängige Schiene wäre stabiler), mit ¤ 110,60 m.E. sehr (zu) teuer. In Berlin gibt es einen Edelstahlbearbeitungsbetrieb, der sich auf Yachtausrüstung spezialisiert hat (u.a. auch AB-Lifte, Mastlegevorrichtungen) und der eindrucksmäßig preiswert, kompetent und flexibel Sonderanfertigungen vornimmt. Die Adresse kann ich bei Bedarf übermitteln.

So, ich hoffe, mit meinen persönlichen Einschätzungen nicht zuviele Banalitäten ins Netz gestellt zu haben und komme auf die Pinnenarretierung zurück: Die Einkerbungen sind U-förmig, das Arretierungsblech unter der Pinne darf nicht zu stark (ca. 1-1,5mm) sein, da es sich sonst bei exzentrischer Pinnenstellung in den äußeren Kerben verkannten kann; dies kann auch durch entsprechende Kerbenbreite - oder besser ca. 15-Grad-Kerbenanschnitt der äußeren Kerben vermieden werden, so daß das die Kerbe immer parallel zum Pinnenblech steht. Da die Arretierung gerade bei Hack funktionieren muß, soll die Kerbe so tief sein, daß die Pinne nicht herausspringen kann. Wenn das Pinnenblech so angebracht ist, daß es gerade noch am Kammende faßt, dürfte nur das Pinnenholz den Süllrand neben dem Kamm berühren. Das Blech unter der Pinne muß stumpf und in allen Profilen abgerundet sein. Ich habe bisher noch keinen wesentlichen Kratzer am Süllrand durch die Arretierung festgestellt.
Klingt alles vielleicht etwas komplizert; ich werde wie gesagt versuchen, ein Photo zu übermitteln, was die Mimik dann konkreter macht.

Grüße aus Rostock
Matthias