Gelcoat / Topcoat Farbkarte Besucher: 466
| Reparaturen selbst gemacht Kleine Reparaturen an Deck oder Rumpf können mit etwas Geschicklichkeit und Ausdauer auch selbst bewerkstelligt werden. Das Boot aus Kunststoff sollte im Idealfall nicht Lackiert sein, sonst wird eventuell aus einem kleinen Loch ein noch größerer unansehnlicher Schaden. Die Schadstelle Spachtelmasse, Epoxi oder dauerelastische Fugenmasse verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit an einer Schadstelle, sind aber aus optischen Erwägungen heraus eher als schnelle und provisorische Lösung zu betrachten. Eine Reparatur mit Gelcoat erfordert aber etwas Planung, Know-how und entsprechendes Werkzeug. Der Hobby-Verarbeiter, und übrigens auch der Profi, steht dann vor zwei Problemen: Eines davon ist die Oberflächenstruktur. Ist die Schadstelle eine glatte Fläche, muss die Reparatur später wieder glatt und glänzend sein. Ist sie aber auf einem rutschhemmenden Deck, ist mehr Vorarbeit notwendig. Sich wiederholende und gleichmäßige Strukturen, wie beispielsweise Rauten oder Quadrate, kann man noch ganz gut abformen, bei den beliebten Lederimitaten oder ungleichmäßigen Walzenstrukturen geht das nicht so einfach. Silikonformen sind selbsttrennend Eine Methode ist das Abformen mit Silikon. Allerdings ist die Fugenmasse aus der Sanitärabteilung dafür nicht geeignet. Hier wird ein spezielles Zwei-Komponenten- Material verwendet, das über die Decksstruktur gegossen wird und diese detailgenau abformt. Nach dem Härten kann die Silikonschicht abgenommen werden und als Negativ für die Reparaturstelle dienen. Diese elastische Abformmasse ist sowohl bei der Herstellung des Negativs selbst, wie auch nachher bei der Gelcoat-Reparatur selbsttrennend. Auch lässt sich diese Silikonform ohne weiteres über Rundungen legen. Bei gleichmäßiger Oberflächenstruktur fügt sich dieses Negativ passend um die Schadstelle ein, so dass, im Idealfall, später kein Übergang mehr zu sehen ist. Eine andere Möglichkeit besteht, aus transparentem Polyester eine Form zu bauen. Hierzu wird eine ähnliche intakte Stelle mit Trennwachs behandelt und anschließend mit Polyester größer als die Reparaturstelle bestrichen. Eine Holz- oder besser noch Plexiglasplatte angerauht wird auf das Polyesterharz gelegt. Fixieren, wirklich Aushärten lassen und dann vorsichtig abhebeln, und schon ist das Negativ fertig. Um das Gelcoat dann später zu formen, muss das Negativ wieder mit Trennwachs behandelt werden. Ältere Boote vorher polieren Das zweite Problem ist der richtige Farbton. Die Reparaturpacks, die im Zubehörhandel angeboten werden, passen selten genau zur Umgebung. Auch ist weiß nicht gleich weiß. Der Gelcoat verändert nämlich im Lauf der Zeit seine Farbe. Manche Produkte bekommen einen Gelbstich, andere werden grau. Das heißt, dass das Material, zumindest bei einem älteren Boot, abgetönt werden muss. Hier ist allerdings Vorsicht angesagt. Nach der Reparatur wird die Schadstelle geschliffen und poliert. Dabei wird eine dünne Schicht des Gelcoats abgetragen, so dass der ursprüngliche Farbton wieder an der Oberfläche erscheint. Das gibt einen hässlichen Fleck. Bei einem älteren Boot hat es sich bewährt, wenn vor dem Abtönen der Reparaturmasse die oxidierte Oberfläche poliert wird. Dafür verwendet man Schleifpasten. Das sind schmirgelnde Dispersionen, die von den Pflegemittelherstellern in verschiedenen Körnungen angeboten werden. So genannte All-in-One-Produkte eignen sich dafür nicht, da diese Zusätze Oberflächenversiegelung enthalten. Das können Wachse, Teflonpartikel oder auch Silikone sein. Auf alle Fälle können diese Substanzen zu Haftungsproblemen bei der Reparatur führen. Abtönpasten und Pigmente Das Mischen eines Farbtons erfordert einige Übung und Erfahrung. Man sollte sich da keine Illusionen machen. Die Farbe ganz exakt zu treffen ist eher Zufall. Auch ein professioneller Lackierer kämpft dabei mit vielen Unwägbarkeiten. Künstliches Licht setzt sich anders zusammen als Tageslicht. Spezielle Lampen sind zu teuer. Deshalb kann das beste Ergebnis bei Tageslicht erzielt werden. Wenn der Farbton in der Schale einigermaßen passend aussieht, sollte ein Tropfen der Paste auf das Boot, in unmittelbarer Nähe der Reparaturstelle aufgebracht werden. Diesen kann man später mit Aceton wieder abgewischen. Es hat sich bewährt, beim Betrachten die Augen leicht zu schließen, so dass die Konturen verschwimmen. Verschiedene Abtöntropfen helfen den am besten getroffenen Farbton zu wählen. Diese Gelcoattabtönungen erreicht man mit den Abtönfarben Rot, Blau, Gelb, Braun, Okker und Schwarz. Die intensive Abtönpaste oder die Pigmente sollten nie direkt in die große Grundmenge der Schale oder gar in den Originaltopf gegeben werden. Oft ist es zuviel und dann ist der Ansatz verdorben. Besser ist es eine Teilmenge mit der Abtönung zu versehen und dann einen Teil der Teilmenge mit dem frischen Grundton zu vermischen. Das trifft insbesondere bei weißen Gelcoat zu. Es ist selbstverständlich, dass bei solch kleinen Mengen von hoch konzentrierten Pigmenten gründllich gemischt werden muss. Wurde doch zu viel Pigment eingerührt, teilt man die zu kräftig abgetönte Grundmenge und tönt mit dem Gemisch den frischen weißen Gelcoat ab. Manche Farben lassen sich überhaupt nicht oder nur sehr schwer herstellen. Dann wird die Schadstelle verspachtelt und punktuell lackiert. Standardisierte RAL-Farben Die am meisten verkauften Reparatursets in Deutschland sind RAL-Töne. Diese sind fest definiert und halten was sie versprechen. Aber auch Gelcoat Reparaturschachtel von Jotun sind hier erhältlich und sind mit dem Skandinavischen Farbcode versehen. (siehe oben) Zu dem Gelcoat muss nach dem Einstellen des Farbtons der Härter zugegeben werden. Dieser besteht meist aus zwei bis drei Prozent MEKP (Methyl-Ethylketon-Peroxid). Das Mischungsverhältnis darf nicht zu sehr von den Herstellervorgaben abweichen, weil sonst die mechanischen Eigenschaften des ausgehärteten Produkts nicht optimal sind. Die Umgebungstemperatur ist entscheidend wie schnell das Gelcoat geliert und anschließend aushärtet. Riecht der Härter nach Essig ist er verdorben und darf nicht mehr benutzt werden; ist der Gelcoat zäh oder hart und schon bröckelig oder riecht nach Marzipan, ist dieser ebensfalls verdorben. Ein kurzer Test ist am sichersten, ob Harz und Härter noch zusammen arbeiten. Besser ein Test als die Schadstelle später wieder säubern zu müssen. Vorbereiten der Schadstellen Die Praxis der Reparatur sieht so aus, dass zuerst die Schadstelle mit oder Aceton gereinigt und von Politurresten befreit wird. Wurde das Boot in der Vergangenheit mit Autowachs behandelt, kann man eventuelle Silikonreste mit einem speziellen Silikonentferner beseitigen, den man sich ebenfalls im Farbenhandel besorgt. Dann werden die Kanten flach auslaufend angeschliffen. Wie das in der Praxis aussieht, ist von Fall zu Fall anders. Von Hand gehts immer, ansonsten leistet ein Dreieckschleifer oder Drehmel gute Dienste. Die Körnung sollte etwa P240 sein. Ein Schraubenloch kann man auch mit einem Kegelsenker vorbereiten. Vor dem Gelcoat-Auftrag noch einmal mit Aceton reinigen, um sicher zu gehen, dass wirklich keine Verschmutzungen mehr vorhanden sind. Es ist dringend zu empfehlen, dass die Umgebung der Reparaturstelle abgeklebt wird. Dadurch erleichtert man sich die Nacharbeiten. Hierfür eignet sich dünnes Paketband oder Kantenband aus dem Autodedarf. Nachdem die Schraubenlöcher von unten mit Klebeband verschlossen wurden, damit der Gelcoat nicht abläuft, wird dieser aufgetragen. Der Gelcoat muss etwas über die Umgebung erhaben sein, da Polyester beim Härten schrumpft. Eine Kunststofffolie, die mit Klebeband über den flüssigen Gelcoat gespannt wird oder aber auch Tesafilm, verhindert das Ablaufen an nicht waagerechten Flächen. Durch diesen Trick kann in begrenztem Umfang sogar modelliert werden. Darüber hinaus härten manche Gelcoats nur unter Luftabschluss an der Oberfläche klebfrei aus. Setzt man dem Gelcoat 5% Rarafin zu, erreicht man das gleiche. Das Zusammengerührte nennt man dann auch Topcoat. Nach dem Aushärten sieht das Werk noch ziemlich unansehnlich aus. Vorsicht beim Schleifen Zuerst kann mit grobem 240er-Schleifpapier und einem Schleifklotz die Stelle eben geschliffen werden. Für eng begrenzte Schleifarbeiten bietet der Handel einen so genannten Schleifpilz an. Es hat sich bewährt, wenn das Klebeband um die Reparaturstelle noch an seinem Platz bleibt. Dadurch wird die Umgebung geschützt. Ist der neue Gelcoat etwa bis auf Klebebandstärke heruntergeschliffen, wird mit 320er-Nassschleifpapier weitergearbeitet. Bei planen Flächen kann der Schleifklotz weiter verwendet werden. Rundungen werden mit einer flexiblen Schleifunterlage bearbeitet. Dafür kann man sehr gut die Reste von Hartschaumplatten verwenden, wie sie als Kernmaterial oder auf dem Bau als Isoliermaterial verwendet werden. Beim Schleifen muss sehr vorsichtig gearbeitet werden. Der Gelcoat ist in neuem Zustand nur ungefähr ein Millimeter dick. Wenn mit dem Finger fast keine Erhebungen mehr zu fühlen sind, wird der Rest mit Körnung 600 nass egalisiert. Schleifpapier der Körnung 1200 dient dazu, die Schleifriefen zu beseitigen und die Fläche zum Polieren vorzubereiten. Jetzt kommt wieder die Polierpaste zum Einsatz, mit der vor der Reparatur die oxidierte Gelcoat-Schicht entfernt wurde. Gute Dienste leistet der Dreieckschleifer, sofern das Gerät mit einer Filzplatte ausgerüstet werden kann. Anschließend wird die Oberfläche mit Wachs oder anderen Substanzen versiegelt. Eine solche Reparatur ist nicht sonderlich schwierig. Handwerklich begabte Personen sollten das schaffen. Allerdings ist im Sommer dafür meist keine Zeit, da man das Boot nicht nur zum Reparieren verwenden will. Im Winter steht es jedoch unter einem kalten, zugigen Planenzelt. Hier kann man sich mit einfachen Halogenstrahlern behelfen, wie man sie für ein paar Mark im Baumarkt bekommt. Diese 500-Watt-Röhren liefern nicht nur gewaltig Licht, sondern auch eine enorme Strahlungswärme, die für punktuelle Reparaturen durchaus zu nutzen ist. Diese Strahler werden allerdings so heiß, dass sie auch eine Oberfläche zerstören können. |
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