Am 19./20. Juni 2026 veranstaltete der Potsdamer Yachtclub (PYC) wieder die Regatta „60 Seemeilen von Berlin“. 3 IF-Boote und 46 Boote insgesamt waren angetreten.

Eine Stunde vor Startbeginn waren noch Böen bis knapp über 7 Bft. über Unterhavel und Wannsee gefegt, doch wenige Minuten vor dem Start flaute der Wind auf 3 - 4 Bft. ab. So ging es gemütlich, aber halbwegs flott aus dem Wannsee heraus auf die Luvtonne 1 vor Kladow zu, danach galt es vor dem Wind beziehungsweise bei halbem Wind nach Norden bis zur Scharfen Lanke zu segeln, um dann die ganze Strecke bis kurz vor Kälberwerder zurückzufahren, in den Wannsee einzubiegen und bis zum PYC am hinteren Ende des Wannsees hochzukreuzen.

Damit war die 1. Runde in verkürzter Form, also ohne den - bei mehr Wind attraktiveren Weg - über den Jungfernsee abgeschlossen. Einige Boote hatten sich diese 1. Runde zusätzlich verkürzt, indem sie die Luvtonne 1 ausließen, zeitsparend gleich zur Scharfen Lanke abbogen und nach entspr. Hinweisen eventuell darauf setzten, dass bei solch fröhlichem Event niemand protestieren mag. Nun, vielleicht streicht man beim nächsten Mal einfach den Hinweis in der Segelanweisung, dass das Umfahren dieser Tonne nicht kontrolliert wird?

Jetzt schlossen sich 4 kürzere Bahnen zwischen PYC und der Insel Lindwerder an - mit allen Kursen zum Wind, die denkbar sind, und mit permanentem Auf und Ab des Spi, unter erschwerten Bedingungen, denn alle bunten Spi-Leinen waren in der Dunkelheit grau geworden. Dafür zeichnete sich der Verklicker einigermaßen gut gegen den Sternenhimmel ab.

Allerdings: Anders als die Teilnehmer nahm sich der Wind immer weiter zurück, er verkam zum Windhauch. An die landwärts platzierten Wendetonnen musste man sich nun Zentimeter für Zentimeter mit viel Geduld und Ausdauer heranmogeln - während der dunklen Stunden begleitet von den Lichtern der anderen Boote, von denen gelegentlich gedämpfte Kommandos, ein erfrischendes Gelächter oder das Zischen geöffneter Flaschen oder Dosen herüberdrangen.

Um etwa 6:00 Uhr morgens waren auch die freien Flächen auf dem Wannsee spiegelglatt; der Wind war vollends eingeschlafen, so dass die Regatta um 6:09 Uhr abgebrochen wurde. IF Circe hatte zu dieser Zeit - nach insg. rund 13 Stunden - neben der 1. langen Bahn drei der vier kürzeren Bahnen absolviert und war zusammen mit vielen anderen Booten erleichtert, dass die Schleichfahrt nun ein Ende gefunden hatte. Schon zuvor hatte es manch verzweifelten Ruf in der Signal-Gruppe gegeben, wer denn eigentlich noch mit dabei sei.

Der guten Stimmung an Bord hat dies aber keinen Abbruch getan. Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sorgten für romantische Bilder, den frühen Morgen mit hellrosa Wolken auf hellblauem Grund hätte man unter anderen Umständen sogar für künstlich und kitschig halten können. Die Nacht war angenehm warm geblieben, fast karibisch schön. Während der dunklen Nachtstunden sauste ein Schlauchboot umher, von dem aus der neue Pächter des PYC immer wieder aufmunternde Worte und kalte Getränke verteilte. Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Schlauchboot plötzlich aus dem Dunkeln auftaucht, längsseits geht und sich nach den Biervorräten an Bord erkundigt. Eine weitere Besonderheit war, dass einige Tonnen illuminiert worden waren. Bei Dunkelheit hätte man hier normalerweise die Tonnen nur erahnen beziehungsweise die vermutete Tonnen-Position großräumig umfahren müssen, was bedeutend weniger romantisch gewesen wäre und auch allerlei Umwege verursacht hätte. Ebenso romantisch wie vielgestaltig war die Lichterführung der Boote während der Nachtzeit; sie reichte von nur angeleuchteten Segeln über klassische Positionslaternen bis zu fröhlichem Rätselraten: Nähert sich da vielleicht ein Maschinenfahrzeug über 110 m Länge in absoluter Schleichfahrt auf einer Binnenschifffahrtsstraße?

Am Abend danach wurde im PYC ordentlich gefeiert und unter einer großen Discokugel auf dem Steg getanzt. In unmittelbarer Nähe lag das Startboot Charly, das wir während der Regatta mehrfach passiert hatten - jetzt zweckentfremdet und noch dazu quer in der Boxengasse; dort thronte nun ein DJ am PYC-Rednerpult und gab den Takt vor. Das war auch für Charly neu.

Es war ein buntes und fröhliches Treiben, das die Abendsonne lange Zeit in goldenes Licht tauchte: So gehen Sommernachtsträume zu Ende. Die Regattaleitung konnte wieder großen Dank einsammeln. Zu Recht: Denn diese Veranstaltung ist einfach etwas Besonderes!

Andreas Metzenthin